Amazon MCF 2026: Multi-Channel-Versand aus dem Amazon-Lager für Shop und andere Marktplätze – Ablauf, Kosten und Grenzen
· 11 Min. Lesezeit · Bestand und Schnittstellen
Kurze Antwort: Amazon MCF (Multi-Channel Fulfilment, auf Deutsch „Multi-Channel-Versand“) heißt: Amazon versendet Bestellungen, die gar nicht auf Amazon entstanden sind, aus Ihrem Bestand im Amazon-Logistikzentrum. Laut Amazon gilt das für Bestellungen aus Ihrem eigenen Shop, aus Social-Media-Shops und von anderen Marktplätzen. Die Pakete gehen in neutraler Verpackung ohne Amazon-Logo raus, als Standard (2–3 Werktage) oder Express (1–2 Werktage). Wer schon Ware bei Amazon liegen hat, braucht keine zusätzliche Registrierung. Die Gebühr richtet sich nach Produktgröße und Zielort, seit dem 2. Mai 2026 kommt in Deutschland ein Zuschlag von 1,5 % hinzu. Weil dann ein Lager mehrere Kanäle bedient, müssen Sie Bestand und Bestellungen besonders sauber führen, am einfachsten mit Bestand und Bestellungen von Amazon.de, OTTO und Kaufland in einem Dashboard.
Was ist Amazon MCF?
Mit FBA lagert, verpackt und versendet Amazon Ihre Ware für Bestellungen auf Amazon. Wie das funktioniert und was Lager und Versand kosten, steht in unserem Beitrag zu Amazon FBA. MCF dreht die Richtung um: Die Bestellung kommt von außerhalb, zum Beispiel aus Ihrem Onlineshop oder von einem anderen Marktplatz, und Sie beauftragen Amazon, sie aus Ihrem dortigen Bestand zu verschicken.
Laut Amazon ist MCF mit oder ohne FBA verfügbar. Nutzen Sie FBA bereits, bedient Ihr vorhandener Bestand im Logistikzentrum dann beide Seiten: Amazon-Kunden und Kunden aus Ihren anderen Kanälen. Lagerplatzierung, Versanddienstleister und den Versand innerhalb der EU organisiert Amazon.
Drei Punkte, die Amazon auf der MCF-Seite hervorhebt:
- Lieferzeit: Standardversand in 2–3 Werktagen oder Expressversand in 1–2 Werktagen.
- Neutrale Verpackung: Die Sendungen tragen kein Amazon-Markenlogo. Für Ihre Kundschaft im eigenen Shop sieht das Paket also nicht nach Amazon aus.
- Keine zusätzliche Registrierung: Liegt Ware in einem Amazon-Logistikzentrum, können Sie MCF sofort nutzen.
Amazon MCF in Deutschland: so legen Sie Versandaufträge an
Amazon nennt drei Wege, wie eine Bestellung aus einem anderen Kanal bei MCF ankommt:
- Manuell in Seller Central: Im Menü „Lagerbestand“ wählen Sie die Produkte aus und klicken im Aktionsmenü auf „Versandauftrag erstellen“. Dann geben Sie Lieferadresse, Artikel und Liefergeschwindigkeit an. Amazon empfiehlt das zum Ausprobieren und für kleine Bestellmengen.
- Sammelbestellungen per Datei: Sie füllen eine Excel-Vorlage aus und laden sie auf der Seite für Multi-Channel-Versandaufträge über „Lagerbestandsdatei hochladen“ hoch. Fehlerfreie Zeilen werden angelegt, fehlerhafte markiert das System; diese müssen Sie korrigieren und erneut übermitteln.
- Automatisch per Integration: über Plug-ins für Shopsysteme, über Multi-Channel-Software oder über eine eigene Anbindung an Amazons Schnittstellen. Amazon empfiehlt diesen Weg für hohe Bestellvolumen und für Händler, die auf vielen Marktplätzen verkaufen.
Der manuelle Weg klingt harmlos, hat aber eine Schwäche: Jede Bestellung von OTTO, Kaufland oder aus Ihrem Shop muss jemand abtippen. Bei zehn Bestellungen am Tag ist das machbar, bei hundert nicht mehr, und jeder Tippfehler in der Adresse wird zur Retoure.
Amazon MCF Kosten und Gebühren
Amazon beschreibt das Preismodell so: Abhängig von Produktgröße und Bestimmungsort fällt eine Standardgebühr pro Sendung an. Die genauen Beträge stehen in Amazons Gebührenübersichten in Seller Central; auf der öffentlichen Seite nennt Amazon keine Einzelbeträge, deshalb nennen wir hier auch keine.
Was Sie mit Stand Oktober 2026 trotzdem wissen sollten:
- Verkaufstarif: Die MCF-Seite nennt „39 € (zzgl. MwSt.) pro Monat + Verkaufsgebühren“, also den Tarif Professionell.
- Rabatt: Laut Amazon können „berechtigte Verkäufer“ 20 % bei den Versandgebühren sparen. Die Bedingungen stehen in Seller Central.
- Zuschlag: In den Seller Forums hat Amazon einen Treibstoff- und Logistikzuschlag von 1,5 % angekündigt. Für MCF gilt er seit dem 2. Mai 2026 in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und dem Vereinigten Königreich.
- Lagergebühren: Die Ware liegt in einem Amazon-Logistikzentrum, also fallen dafür die üblichen Lagergebühren an, unabhängig davon, über welchen Kanal sie verkauft wird.
Vergleichen Sie die MCF-Gebühr pro Sendung mit dem, was Sie heute für eigenen Versand zahlen: Verpackungsmaterial, Paketpreis, Arbeitszeit. Rechnen Sie dabei mit Ihrem echten Warenkorb, denn ein großer, leichter Artikel kann bei Amazon in eine ganz andere Größenklasse fallen als gedacht.
Was Sie vor dem Start mit MCF prüfen sollten
Die Regeln des anderen Marktplatzes. Amazon versendet, aber verkauft haben Sie auf OTTO, Kaufland oder anderswo, und dort gelten deren Regeln. OTTO schreibt zum Beispiel in seiner Checkliste vor, dass Paketware mit DHL, DPD, GLS, Hermes oder UPS verschickt wird und Retouren an ein Lager in Deutschland mit DHL, GLS oder Hermes zurückgehen; für Retouren an Lager in ausgewählten EU-Ländern akzeptiert OTTO nur DHL Ecommerce. Welchen Versanddienstleister Amazon für eine MCF-Sendung wählt, bestimmt Amazon. Klären Sie also vorher, ob das zu den Vorgaben passt. Welche Anforderungen OTTO sonst stellt, lesen Sie in unserem Beitrag auf OTTO verkaufen. Für Kaufland, eBay und andere Kanäle gilt dasselbe: erst deren Versandregeln lesen, dann MCF einschalten.
Sendungsnummer und Status. Marktplätze wollen wissen, dass und wann ein Paket unterwegs ist. Bei einer MCF-Sendung entsteht die Sendungsnummer bei Amazon; sie muss zurück zum Marktplatz, auf dem bestellt wurde. Ohne Integration heißt das: abschreiben und von Hand eintragen.
Retouren. Die MCF-Seite beschreibt den Rückweg nicht. Ihre Retourenadresse auf dem anderen Marktplatz bleibt Ihre Sache; legen Sie fest, wohin Rücksendungen gehen und wie die Ware wieder in den Bestand kommt.
Großbritannien. Seit dem 1. Januar 2021 versendet Amazon keine FBA-Bestellungen mehr über die Grenze zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU. Wer beide Märkte bedienen will, braucht Bestand in beiden Gebieten.
Ein Lager, mehrere Kanäle: was mit dem Bestand passiert
Das eigentliche Thema hinter MCF ist der Bestand. Ohne MCF haben viele Händler zwei getrennte Mengen: Ware bei Amazon für Amazon, Ware im eigenen Lager für OTTO, Kaufland und den Shop. Mit MCF wird daraus ein gemeinsamer Topf, aus dem alle Kanäle schöpfen. Das spart doppelte Lagerhaltung, verlangt aber, dass jeder Kanal jederzeit die richtige Menge zeigt.
Beispiel (Annahme)
Eine Händlerin aus Hamburg hat 300 Trinkflaschen bei Amazon eingelagert und verkauft sie auf Amazon.de, OTTO und im eigenen Shop. OTTO und Shop laufen über MCF. An einem Aktionstag gehen 120 Stück über Amazon weg, 40 über OTTO, 30 über den Shop. Im Amazon-Lager liegen danach noch 110 Flaschen. Zeigt OTTO weiter die Menge vom Morgen an, verkauft sie Ware, die schon weg ist. Jede dieser Bestellungen wird storniert, und Stornos schaden auf jedem Marktplatz der Verkäuferbewertung.
Daraus folgen drei Regeln:
- Eine SKU pro Artikel auf allen Kanälen. Nur dann lässt sich eindeutig zuordnen, welcher Verkauf welchen Bestand verringert.
- Bestand nach jedem Verkauf überall anpassen, nicht nur auf dem Kanal, auf dem verkauft wurde.
- Puffer einplanen. Zwischen Bestellung, MCF-Auftrag und Bestandsmeldung vergeht Zeit. Ein kleiner Sicherheitsbestand, der auf den anderen Kanälen nicht angeboten wird, fängt diese Lücke ab.
Wie Pratienda Ihnen hilft
Pratienda führt Ihre Marktplätze in einem Dashboard zusammen:
- Bestands- und Produktabgleich: Pratienda erkennt dasselbe Produkt auf allen Marktplätzen anhand der Artikelnummer (SKU) und führt es in einer Produktkarte zusammen. Verkauft sich ein Artikel auf einem Marktplatz, sinkt der Bestand auch auf den anderen. Weniger Überverkäufe und Stornierungen, gerade wenn ein Lager mehrere Kanäle bedient.
- Bestellverwaltung: Bestellungen aller Marktplätze in einer Liste, mit ihrem Status. So sehen Sie auf einen Blick, welche Bestellung noch auf den Versand wartet.
- Kundenfragen: Fragen von allen Marktplätzen auf einem Bildschirm sehen und beantworten, auch die Frage „Wo ist mein Paket?“.
- Gebührenanalyse und tatsächlicher Gewinn (Pro-Paket): damit Sie sehen, was nach den Gebühren übrig bleibt.
- Repricing und Buy-Box (Pro-Paket): Preisvorschläge, ohne Ihren Mindestpreis zu unterschreiten; ohne Ihre Freigabe ändert sich kein Preis.
Die Anbindung an Ihre Marktplätze richten wir gemeinsam mit Ihnen ein. Starter kostet 59 USD im Monat und Pro 149 USD (zzgl. MwSt.); die Gebühren der Marktplätze und von Amazon kommen separat hinzu.
Häufige Fragen
Was kostet Amazon MCF?
Amazon berechnet pro Sendung eine Standardgebühr, die von Produktgröße und Zielort abhängt; die Beträge stehen in den Gebührenübersichten in Seller Central. Dazu kommen der Tarif Professionell (39 € im Monat zzgl. MwSt.), die Lagergebühren und seit dem 2. Mai 2026 ein Zuschlag von 1,5 %.
Kann ich MCF ohne FBA nutzen?
Ja. Laut Amazon ist MCF mit oder ohne FBA verfügbar. Voraussetzung ist Bestand in einem Amazon-Logistikzentrum; eine zusätzliche Registrierung ist dann nicht nötig.
Sieht der Kunde, dass das Paket von Amazon kommt?
Laut Amazon werden MCF-Bestellungen in neutraler Verpackung ohne Amazon-Markenlogo verschickt. Welcher Versanddienstleister zustellt, bestimmt Amazon; prüfen Sie, ob das zu den Regeln Ihres Marktplatzes passt.
Quellen: Amazon Verkaufen (sell.amazon.de), Seite „Multichannel Fulfilment (MCF)“; Ankündigung von Amazon in den Seller Forums Europa zum Treibstoff- und Logistikzuschlag; OTTO Market, Checkliste (otto.market); gelesen am 29. Oktober 2026. Amazon und die Marktplätze ändern Gebühren und Regeln regelmäßig; maßgebend sind Seller Central und die aktuellen Bedingungen der jeweiligen Marktplätze.