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Amazon Pan EU 2026: Länder, Voraussetzungen, Gebühren und Umsatzsteuer im paneuropäischen Versand

· 13 Min. Lesezeit · Marktplätze im Ausland

Kurze Antwort: Amazon Pan EU („Paneuropäischer Versand durch Amazon“) ist ein FBA-Programm, bei dem Amazon Ihre Ware auf Logistikzentren in mehreren EU-Ländern verteilt, damit sie näher bei der Kundschaft in ganz Europa liegt. Gelagert wird in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien oder Polen, und zwar in mindestens zwei dieser Länder. Voraussetzung sind aktive Angebote mit derselben SKU in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und seit dem 3. September 2026 auch in den Niederlanden. Sie zahlen in den Lagerländern die lokalen FBA-Gebühren statt der teureren grenzüberschreitenden EFN-Gebühren. Dafür brauchen Sie laut Amazon in jedem Land, in dem Ware lagert, eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. Und je mehr Länder und Lager dazukommen, desto wichtiger ist es, Bestand und Bestellungen von Amazon.de, OTTO und Kaufland in einem Dashboard im Blick zu behalten.

Was ist Amazon Pan EU?

Mit FBA schicken Sie Ihre Ware an Amazon, und Amazon lagert, verpackt und versendet sie. Wie das grundsätzlich funktioniert und was Lager und Versand kosten, erklären wir im Beitrag zu Amazon FBA. Pan EU ist die europäische Erweiterung davon: Statt Ihre gesamte Ware in einem deutschen Logistikzentrum zu lassen, verteilt Amazon sie auf Lager in mehreren Ländern, je nachdem, wo die Nachfrage erwartet wird. Die Umlagerung zwischen den EU-Logistikzentren ist laut Amazon kostenlos.

Der Gedanke dahinter: Eine Bestellung aus Madrid wird aus einem spanischen Lager verschickt und nicht aus Leipzig. Das soll die Versandkosten senken und schnelle Lieferung in ganz Europa ermöglichen.

Amazon Pan EU Länder

Bei den Ländern muss man zwei Listen auseinanderhalten:

  • Lagerländer (mit Umsatzsteuernummer) — Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen; mindestens zwei müssen aktiviert sein
  • Pan-EU-Shops — Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Niederlande, Polen, Schweden, Belgien, Irland
  • Pflichtangebote (gleiche SKU) — Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Niederlande
  • Optionale Angebote — amazon.se, amazon.ie, amazon.pl

Das Vereinigte Königreich gehört seit dem 1. Januar 2021 nicht mehr zum paneuropäischen Versand. Österreich steht weder in der Liste der Lagerländer noch in der Liste der Pan-EU-Shops.

Amazon Pan EU Programm: Voraussetzungen 2026

Amazon nennt folgende Bedingungen:

  1. Verkäuferkonto mit FBA: Ihre Produkte sind bereits für Versand durch Amazon angemeldet.
  2. Gleiche Angebote in den Pflichtländern: aktive Angebote mit derselben SKU in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und den Niederlanden.
  3. Lagerung in mindestens zwei Ländern aus der Liste oben.
  4. Produkt- und Umsatzsteuer-Compliance: Ihre Produkte müssen die Anforderungen der jeweiligen Länder erfüllen, und Sie müssen in den Lagerländern umsatzsteuerlich registriert sein.
  5. Erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) für Deutschland und Frankreich, zum Beispiel für Verpackungen.
  6. Ware in einem EU-Logistikzentrum.

Zwei Fristen sollten Sie kennen. Seit dem 3. September 2026 müssen laut Amazon alle Pan-EU-Produkte, neue wie bestehende, ein aktives Angebot in den Niederlanden haben; ohne dieses Angebot verliert ein Produkt die Pan-EU-Vorteile. Ab dem 26. Februar 2027 braucht ein Produkt bei der Anmeldung zusätzlich ein aktives Angebot in Belgien; Amazon kündigt an, mindestens 30 Tage vorher zu informieren.

Praktisch heißt das: Bevor Sie Pan EU aktivieren, brauchen Ihre Angebote übersetzte Titel und Beschreibungen, eine Preisstrategie je Land und einen Kundenservice, der Anfragen aus diesen Ländern beantworten kann.

Pan EU oder EFN: was ist der Unterschied?

Wer FBA in Deutschland nutzt und trotzdem in andere EU-Länder verkaufen will, hat zwei Wege:

  • EFN (Europäisches Versandnetzwerk): Ihre Ware liegt nur im Heimatland. Bestellt jemand in Frankreich, verschickt Amazon das Paket grenzüberschreitend aus Deutschland, und Sie zahlen dafür EFN-Gebühren. Sie lagern nur in einem Land.
  • Pan EU: Ihre Ware liegt in mehreren Ländern. In den Ländern, in denen Sie die Lagerung aktiviert haben, zahlen Sie die lokalen FBA-Gebühren; nur für die übrigen EU-Länder fallen EFN-Gebühren an.

Laut Amazon können Sie mit Pan EU bis zu 53 % bei den Versandgebühren sparen. Die Fußnote erklärt, dass es sich um die höchstmögliche Ersparnis handelt, wenn man die EFN-Gebühren mit den lokalen Gebühren für dieselbe Größe und dasselbe Gewicht vergleicht. Wie viel Sie tatsächlich sparen, hängt also von Ihren Produkten und Zielländern ab. Die genauen Beträge stehen in Amazons Gebührentabellen.

Unabhängig vom Modell gilt seit dem 17. April 2026 ein Treibstoff- und Logistikaufschlag von 1,5 % auf die FBA-Versandgebühren in den europäischen Stores, darunter Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen, die Niederlande, Schweden, Irland und Belgien. Der Tarif Professionell kostet weiterhin 39 € im Monat (exkl. MwSt.) plus Verkaufsgebühren.

Beispiel (Annahme)

Ein Händler aus Köln verkauft Küchenhelfer, 70 % der Bestellungen kommen aus Deutschland, 30 % aus Frankreich und Italien. Mit EFN bleibt alles in Deutschland, jede Bestellung aus Frankreich und Italien kostet die EFN-Gebühr. Mit Pan EU und Lagerung in Deutschland und Frankreich zahlt er für französische Bestellungen die lokale Gebühr, für italienische weiter EFN, es sei denn, er aktiviert auch Italien. Jedes zusätzliche Lagerland senkt also möglicherweise die Versandkosten, bringt aber eine weitere Umsatzsteuerregistrierung mit sich. Ob sich das rechnet, entscheidet die Zahl der Bestellungen pro Land.

Amazon Pan EU und Umsatzsteuer

Hier liegt der Punkt, an dem die meisten Händler zögern, und hier gilt: Lassen Sie sich von einer Steuerberaterin oder einem Steuerberater beraten. Was Amazon selbst schreibt:

  • „Für jedes Land, in dem Waren gelagert werden, ist eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer erforderlich.“
  • „Eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer ist im Ziel-Shop im Allgemeinen nicht erforderlich.“
  • Sie können mit zwei Umsatzsteuernummern starten und müssen sich nicht in jedem Land registrieren, in das Sie verkaufen.

Dazu kommt das deutsche Recht: Das Umsatzsteuergesetz behandelt das Verbringen eigener Ware aus Deutschland in einen anderen EU-Staat, um dort über sie zu verfügen, grundsätzlich als Lieferung (§ 3 Abs. 1a UStG). Wenn Amazon Ihre Ware von Leipzig nach Polen umlagert, ist das also nicht nur eine logistische Bewegung, sondern ein umsatzsteuerlich relevanter Vorgang, der in Ihren Meldungen auftauchen kann.

Pan EU ist dabei etwas anderes als das OSS-Verfahren: OSS betrifft Verkäufe an Privatkunden in andere EU-Länder, Pan EU die Lagerung Ihrer Ware im Ausland. Beides kann nebeneinander bestehen. Welche Registrierungen, Meldungen und Fristen für Ihr Unternehmen gelten, klären Sie bitte vor der Aktivierung. Für die Abstimmung hilft es, wenn Sie wissen, wo Ihre Ware liegt: Amazon stellt dafür unter anderem einen Bericht über grenzüberschreitende Lagerbestandsbewegungen, eine tägliche Lagerbestandshistorie und einen Bericht über von Amazon versandte Sendungen bereit.

Amazon Pan EU aktivieren und deaktivieren

Aktivieren: Laut Amazon wählen Sie im Pan-EU-Bereich der Lagerbestandsverwaltung in Seller Central je Land aus, ob dort gelagert werden soll, zum Beispiel mit der Option „Lagerung mit Umsatzsteuernummer“.

Deaktivieren: Auf der Programmseite von Amazon steht dazu nichts. Laut Händlerratgebern finden Sie den Status in Seller Central unter den Einstellungen für Versand durch Amazon und können ihn dort bearbeiten. Bevor Sie das tun, sollten Sie drei Fragen klären:

  • Wo liegt Ihre Ware gerade? Prüfen Sie mit den Berichten oben, wie viel Bestand in welchem Land liegt.
  • Was passiert mit dem Bestand im Ausland? Klären Sie mit Seller Central, ob und wie er zurückkommt und was das kostet.
  • Was passiert mit Ihren Registrierungen? Ob und wann Sie eine ausländische Umsatzsteuerregistrierung beenden können, ist eine Steuerfrage, keine Amazon-Einstellung.

Da Amazon die Lagerung je Land auswählen lässt, kann es auch reichen, ein einzelnes Lagerland abzuwählen statt das ganze Programm, solange mindestens zwei Lagerländer aktiv bleiben.

Pan EU und andere Marktplätze: der Bestand wird verteilter

Mit Pan EU liegt Ihre Ware im Zweifel in drei oder vier Ländern, die Sie nicht selbst steuern, und daneben in Ihrem eigenen Lager für OTTO, Kaufland oder Ihren Shop. Die Gesamtmenge pro Artikel zu kennen wird damit schwieriger, nicht leichter. Zwei Dinge helfen:

  • Eine SKU pro Artikel auf allen Kanälen. Amazon verlangt für Pan EU ohnehin dieselbe SKU in allen Pflichtländern; nutzen Sie sie auch auf den anderen Marktplätzen.
  • Den eigenen Bestand sauber halten. Was bei Amazon liegt, ist für Amazon-Bestellungen reserviert. Wird das eigene Lager knapp, drohen auf den anderen Marktplätzen Überverkäufe und Stornos.

Bedenken Sie außerdem: Mit jedem neuen Land konkurrieren Sie dort mit anderen Händlern um das hervorgehobene Angebot. Wie Preis, Lieferzeit und Verkäuferleistung dabei zusammenspielen, zeigt unser Beitrag zur Amazon Buy Box.

Wie Pratienda Ihnen hilft

Pratienda führt Ihre Marktplätze in einem Dashboard zusammen:

  • Bestands- und Produktabgleich: Pratienda erkennt dasselbe Produkt auf allen Marktplätzen anhand der Artikelnummer (SKU) und führt es in einer Produktkarte zusammen. Verkauft sich ein Artikel auf einem Marktplatz, sinkt der Bestand auch auf den anderen. Weniger Überverkäufe und Stornierungen.
  • Bestellverwaltung: Bestellungen aller Marktplätze in einer Liste, mit ihrem Status.
  • Kundenfragen: Fragen von allen Marktplätzen auf einem Bildschirm sehen und beantworten.
  • Gebührenanalyse und tatsächlicher Gewinn (Pro-Paket): damit Sie sehen, was nach den Gebühren übrig bleibt.
  • Repricing und Buy-Box (Pro-Paket): Preisvorschläge, ohne Ihren Mindestpreis zu unterschreiten; ohne Ihre Freigabe ändert sich kein Preis.

Die Anbindung an Ihre Marktplätze richten wir gemeinsam mit Ihnen ein. Starter kostet 59 USD im Monat und Pro 149 USD (zzgl. MwSt.); die Gebühren der Marktplätze und von Amazon FBA kommen separat hinzu.

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Häufige Fragen

Welche Länder gehören zu Amazon Pan EU?
Gelagert wird in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Polen (mindestens zwei Länder). Verkauft wird über die Shops in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Polen, Schweden, Belgien und Irland. Das Vereinigte Königreich ist seit 2021 nicht mehr dabei.

Brauche ich für Pan EU eine Umsatzsteuernummer in jedem Land?
Laut Amazon brauchen Sie eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer in jedem Land, in dem Ihre Ware gelagert wird, im Ziel-Shop dagegen im Allgemeinen nicht. Welche Pflichten daraus konkret folgen, klären Sie mit Ihrer Steuerberatung.

Was ist der Unterschied zwischen Pan EU und EFN?
Bei EFN lagert Ihre Ware nur im Heimatland und wird grenzüberschreitend verschickt, wofür EFN-Gebühren anfallen. Bei Pan EU lagert sie in mehreren Ländern, und dort gelten die lokalen FBA-Gebühren.


Quellen: Amazon Verkaufen (sell.amazon.de), Seite „Versand durch Amazon – Europa“; Umsatzsteuergesetz § 3 Abs. 1a (gesetze-im-internet.de); gelesen am 29. Oktober 2026. Amazon ändert Programme, Fristen und Gebühren regelmäßig; maßgebend sind Seller Central und die aktuellen Gebührentabellen. Dies ist keine Steuer- oder Rechtsberatung.